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Aktuelles zur Entstehung der Alopecia areata
14. Oktober 2003 - Dr. Jens Meyer

Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata, AA) ist eine gar nicht so seltene Haarerkrankung, bei der es zu kreisrunden kahlen Arealen an der behaarten Kopfhaut kommt. Jeder Haarfollikel des Körpers kann betroffen sein, auch Augenbrauen, Wimpern, Achsel- und Schamhaare. Schwer betroffene Menschen können alle Haare der Kopfhaut (Alopecia areata totalis) oder auch alle Haare des gesamten Körpers verlieren (Alopecia areata universalis). Bei einem Großteil der Patienten mit gering ausgeprägter AA wachsen die Haare nach einigen Monaten spontan oder durch eine entsprechende Behandlung wieder nach. Von der relativ leichten Variante der Alopecia areata werden etwa 1 - 2 % aller Menschen irgendwann betroffen.

Niemand kennt bisher die genauen Ursachen dieser Erkrankung. Man nimmt an, dass Immunzellen, die sich eigentlich um die Abwehr von Viren, Bakterien und Pilzen kümmern sollen, ihre Aktivität gegen die Zellen in den Haarwurzeln des eigenen Körpers richten. Die Haare werden somit vom Immunsystem als "fremd" erkannt und deshalb abgestoßen. Verantwortlich für den Ausfall der Haare sind körpereigene weiße Blutkörper, die sich an die Haarwurzeln anlagern und das Haarwachstum lähmen, die Haare fallen somit aus und wachsen nicht mehr nach. Was dazu führt, dass die weißen Blutkörper sich um die Haarwurzel scharen, ist noch weitgehend unbekannt.

Die Entstehung, Diagnostik und Therapie der Alopecia areata war auch Thema in der August-Ausgabe der Fachzeitschrift "Der Hautarzt" (Band 54, Heft 8, August 2003, Leitthema "Haaerkrankungen"). In Ihrem Artikel "Alopecia areata - Klinik, Pathogenese und rationale Therapie einer T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankung" stellten Priv. Doz. Dr. P. Freyschmidt-Paul, Prof. Dr. R. Happle und Prof. Dr. R. Hoffmann von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Philipps-Universität Marburg aktuelle Erkenntnisse insbesondere zur Entstehung des kreisrunden Haarausfalls vor.

Zunächst betonten die Autoren, dass das plötzliche und unvorhersehbare Auftreten der AA oft dazu führe, die Ursachen in bestimmten Lebensereignissen wie Todesfällen, politischen Katastrophen, Umweltgiften oder Vitaminmangel zu sehen. Häufig würden die Betroffenen zudem von Ihren Therapeuten in diesen Vermutungen bestätigt. Psychische Einflüsse wie z.B. Stressereignisse stünden ebenso oft auf der Liste der angeschuldigten Auslöser, wozu zahlreiche Studien jedoch wiedersprüchliche Ergebnisse geliefert hätten. Während für die eingangs genannten Ursachen jedoch keine Beweise gefunden wurden, konnte eine Bedeutung genetischer und immunologischer Faktoren wissenschaftlich nachgewiesen werden. Ein familiäres Vorkommen der AA werde in 10-25% der Fälle beschrieben, so die Autoren, jedoch handele es sich bei der Vererbung des kreisrunden Haarausfalls eher um einen komplizierten Vorgang, an dem mehrere Gene betroffen seien. Die immunologischen Faktoren, also die Rolle des Immunsystem bei der Entstehung der Erkrankung, seien ebenso sehr komplex und noch nicht endgültig geklärt.

Wie kompliziert das Zusammenwirkungen der einzelnen Zellen und der Informations-übermittelnden Substanzen bei der AA aktuell gesehen wird, verdeutlicht die untenstehende Abbildung. Warscheinlich, so vermuten die Wissenschaftler, sind die Vorgänge noch weitaus schwieriger und unübersichtlicher als hier abgebildet. Welcher oder welche Auslöser, das sogenannte Autoantigen oder die Autoantigene, die dargestellte Abfolge von Reaktionen in Gang setze, sei darüber hinaus bisher sowohl bei der AA wie auch bei den meisten anderen Autoimmunerkrankungen unbekannt.

Wissenschaftliches
Wissenschaftliches Modell zur Entstehung der Alopecia areata.
Aus: P. Freyschmidt-Paul, R. Happle, R. Hoffmann: Alopecia areata - Klinik, Pathogenese und rationale Therapie einer T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankung. Hautarzt 2003. 54:713-722.

Aus den derzeitigen Erkenntnissen ergeben sich zahlreiche, zunächst theoretische Ansätze für zukünftige Behandlungskonzepte der Alopecia areata, die zum Teil bereits erfolgreich an Tiermodellen erprobt werden konnten. Vom Tiermodell zum verschreibungsfähigen Medikament ist es jedoch zumeist noch ein langer Weg, da zunächst kleine Studien am Menschen Informationen über die Nebenwirkungsrisiken und den Nutzen der Behandlung liefern müssen, was dann wiederum in größeren Studien an einer Vielzahl von Patienten bestätigt werden muss. Denkbar ist, dass Patienten mit kreisrundem Haarausfall von den Entwicklungen zur Therapie anderer Erkrankungen profitieren könnten. So wurden in letzter Zeit beispielsweise zur Behandlung der Schuppenflechte (Psoriasis), bei der es sich ebenfalls um eine Autoimmunerkrankung mit ähnlichem Entstehungsmuster handelt, verschiedene Medikamente entwickelt, die auch bei der AA zum Einsatz kommen könnten. Auch hier, betont die Arbeitsgruppe von der Universität Marburg, müssten jedoch zunächst große klinische Studien die Verträglichkeit und den Nutzen der Therapie belegen.

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