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Haarausfall nach Chemotherapie durch Kühlen zu verhindern?
14. August 2003 - Dr. Jens Meyer

Akute Schädigungen der Haarmatrix können zu einem den gesamten Bereich der Kopfhaut betreffenden Haarverlust führen, dem sogenannten symptomatischen diffusen Effluvium vom anagen-dystrophischen Typ. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Haarausfall durch Zytostatika nach oder während einer Chemotherapie. In zwei Veröffentlichungen medizinischer Fachzeitschriften wird über aktuelle klinische Studien zu einem speziellen Kühlsystem für den Kopf berichtet, welches Haarausfall im Rahmen einer Chemotherapie verhindern könnte.

In der ersten Untersuchung berichtet ein schwedisches Team von Wissenschaftlern über Ihre Erfahrungen mit 74 Krebspatienten, die je nach Art und Ausprägung ihrer Erkrankung (Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, Lymphdrüsenkrebs etc.) bestimmte Kombinationen von Chemotherapeutika erhielten (M Ridderheim et al. Scalp hypothermia to prevent chemotherapy-induced alopecia is effective and safe: a pilot study of a new digitized scalp-cooling system used in 74 patients. Support Care Cancer, June 1, 2003; 11(6): 371-7). Zur Vermeidung von Chemotherapie-induztiertem diffusen Haarausfall bekamen alle Patienten eine zusätzliche Behandlung mit einem speziellen Kopfkappen-Kühlungssystem, mit dem auf der Kopfhaut eine konstante Temperatur von + 5 Grad Celsius erzeugt werden konnte. Zur Überprüfung der Ergebnisse wurden medizinische Photodokumentationen und die Einschätzungen der Patienten herangezogen. Es konnte gezeigt werden, dass der Haarverlust nach Gabe bestimmter Chemotherapeutika komplett gestoppt werden konnte. Dieser Effekt konnte jedoch nicht bei allen Patienten bzw. allen Arten von Chemotherapeutika beobachtet werden. Das Kühlungssystem wurde generell sehr gut vertragen, nur 2 Patienten brachen die unterstützende Behandlung wegen Unbehagen ab.

Zu einem weniger ermutigendem Ergebnis kommt eine Gruppe von Medizinern der Universität Aberdeen in Schottland (C Macduff et al. The effectiveness of scalp cooling in preventing alopecia for patients receiving epirubicin and docetaxel. Eur J Cancer Care. June 1, 2003; 12(2): 154-61). Untersucht wurden Patientinnen mit Brustkrebs, die eine Kombination der Chemotherapeutika Epirubicin und Docetaxel erhielten. Auch hier war das spezielle Kühlsystem in der Lage, Haarausfall zu verhindern, jedoch nur in einem mehr oder weniger unbefriedigenden Ausmaß.

Zusammenfassend lässt sich sagen, und hier kommen beide Forscherteams zu der gleichen Schlussfolgerung, handelt es sich bei der Kopfkühlung nach Chemotherapie um einen vielversprechenden Ansatz zur Verhinderung eines diffusen Haarausfalls. Um jedoch den genauen Nutzen und Stellenwert des Verfahrens auch im Hinblick auf verschiedene Arten von Chemotherapien bestimmen zu können, sind weitere und vor allem größere Untersuchungen erforderlich. Auch müsste hierbei noch die optimale Temperatur und die Dauer der Behandlung genauer definiert werden.

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