Im Expertenrat von www.Haarerkrankungen.de werden wir regelmäßig zur Wirksamkeit von regenerativen medizinischen Verfahren zur Behandlung der androgenetischen Alopezie (AGA) gefragt. Zu den derzeit untersuchten Therapieansätzen, die auf eine Regeneration der Haarfollikel abzielen, gehören plättchenreiches Plasma (PRP), Photobiomodulation (PBM), Stammzellen und extrazelluläre Vesikel (Exosomen). Das Die androgenetische Alopezie (AGA) ist eine weitverbreitete Form des Haarausfalls, von der bis zu 50 % der Männer und bis zu 25 % der Frauen betroffen sind, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter ansteigt.
Bei der PRP-Therapie wird dem Patienten eine körpereigene Plasmafraktion verabreicht, in der die Thrombozyten durch Zentrifugation angereichert wurden. Es wird angenommen, dass PRP das Haarwachstum durch die Freisetzung thrombozytärer Wachstumsfaktoren und weiterer Signalmediatoren fördert.
Die Photobiomodulation (PBM) ist ein gerätegestütztes Therapieverfahren, bei dem die Kopfhaut mit niedrigenergetischen, nichtthermischen Lichtquellen bestrahlt wird. Es wird vermutet, dass dadurch die mitochondriale Funktion verbessert und auf diese Weise das Haarwachstum angeregt wird.
Stammzellen werden sowohl hinsichtlich direkter als auch indirekter Wirkmechanismen untersucht. Direkte Effekte können beispielsweise durch die Differenzierung haarfollikelstämmiger Stammzellen entstehen, während indirekte Wirkungen unter anderem auf einer Modulation durch aus Fettgewebe gewonnene Stammzellen beruhen.
Exosomen schließlich sind extrazelluläre Vesikel, die biologische Wirkstoffe und Signalmoleküle transportieren und von nahezu allen Zelltypen gebildet werden. Ihnen wird aufgrund ihrer potenziellen Regulationsmechanismen eine mögliche Bedeutung für die Förderung des Haarwachstums zugeschrieben.
PRP und PBM haben bereits eine breite Anwendung in der klinischen Praxis gefunden, insbesondere bei Patienten, die auf konventionelle Behandlungen nicht ausreichend ansprechen. Neuere experimentelle Therapieansätze wie Stammzellen und Exosomen stehen dagegen vor regulatorischen Herausforderungen. Zudem fehlen bislang belastbare Daten zu ihrer Sicherheit.
Da die klinische Anwendung regenerativer Behandlungsverfahren schneller vorangeschritten ist als die Gewinnung qualitativ hochwertiger Wirknachweise, konnte unter Ärzten bislang kein Konsens darüber erzielt werden, wie diese Therapien optimal konzipiert und durchgeführt werden sollten. In einer aktuellen Übersichtsarbeit wurden daher die in den vergangenen fünf Jahren veröffentlichten klinischen Erkenntnisse zum Einsatz regenerativer medizinischer Verfahren bei Patienten mit androgenetischer Alopezie systematisch zusammengetragen. Für jedes Therapieverfahren wwrden die Wirkmechanismen, die klinische Wirksamkeit und das Sicherheitsprofil sowie die gegenwärtigen Herausforderungen bei der klinischen Anwendung erörtert.
Plättchenreiches Plasma (PRP) ist demnach das am umfassendsten untersuchte Therapieverfahren. Zunehmend werden auch neuere Präparationen wie leukozytenreiches und leukozytenarmes beziehungsweise reines plättchenreiches Plasma untersucht. Allerdings weisen aktuelle Studien Einschränkungen auf, insbesondere hinsichtlich der uneinheitlichen Dokumentation der zellulären Zusammensetzung, kurzer Nachbeobachtungszeiten und fehlender vergleichender Daten zu den Behandlungsprotokollen.
Die Wirksamkeit der Photobiomodulation als Monotherapie wird weiterhin kontrovers diskutiert. Zudem werden die technischen Parameter der verwendeten Geräte uneinheitlich dokumentiert. Stammzellen und Exosomen zeigen vielversprechende Ergebnisse hinsichtlich der Anregung des Haarwachstums, allerdings ist die klinische Evidenz bislang begrenzt.
Es fanden sich in der aktuellen wissenschaftlichen Literatur insgesamt widersprüchliche Ergebnisse. Dies ist teilweise auf die fehlende Standardisierung und mangelnde Transparenz bei der Dokumentation der Zusammensetzung der verwendeten Präparate sowie der Behandlungsprotokolle zurückzuführen. In der klinischen Praxis werden regenerative Verfahren häufig als Kombinationstherapien eingesetzt, beispielsweise zusammen mit Microneedling, äusserlichen Behandlungen (Minoxidil 5 %), oralen antiandrogen wirksamen Medikamenten (Finasterid, Dutasterid, Spironolacton) oder Haartransplantationen. Hieraus können sich potenziell synergistische Effekte ergeben, die in Studien zur Monotherapie nicht erfasst werden können. Ohne eine ausreichende wissenschaftliche Datenlage lassen sich daher derzeit keine endgültigen Schlussfolgerungen über den therapeutischen Nutzen regenerativer Verfahren bei androgenetischer Alopezie ziehen. Eine Standardisierung dieser Therapieverfahren ist von entscheidender Bedeutung. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf Transparenz, Reproduzierbarkeit und Patientensicherheit gelegt werden.
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