Neue Möglichkeiten bei Haarausfall
19. August 2026 - Björn Meyer, Webmaster
Welche neuen Möglichkeiten gibt es zur Behandlung von Haarausfall – und was davon lässt sich sinnvoll in der Praxis einsetzen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein gut besuchter Vortrag auf der DER? 2026 in Frankenthal. Vorgestellt wurde ein modernes Konzept für eine spezialisierte Haarsprechstunde, das Bewährtes mit neueren Therapieansätzen verbindet.
Haarausfall gehört zu den häufigsten Gründen für einen Besuch beim Hautarzt. Gleichzeitig sind die Erwartungen vieler Betroffener hoch. Das wurde auch auf der DER? 2026 deutlich: Die Behandlung von Haarerkrankungen wird zunehmend differenzierter – und neben etablierten Medikamenten werden Verfahren wie PRP, Microneedling, Mesotherapie und neuerdings auch Exosomen diskutiert.
Im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. med. Hans-Georg Dauer und Dr. med. Michael Weidmann stand deshalb nicht die eine „neue Wundertherapie“, sondern ein strukturierter Ansatz. Entscheidend sei zunächst eine möglichst genaue Diagnose. Denn Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall: Eine androgenetische Alopezie erfordert eine andere Behandlung als diffuser Haarausfall oder eine entzündliche beziehungsweise vernarbende Form. Auch mögliche hormonelle, internistische, psychische oder lebensstilbezogene Einflussfaktoren sollten berücksichtigt werden.
Bewährte Medikamente und neue Verfahren
Bei der androgenetischen Alopezie (AGA, anlagebedingter Haarausfall) bleiben etablierte Wirkstoffe wichtige Säulen der Therapie. Im Vortrag wurden insbesondere Minoxidil und Finasterid angesprochen. Gleichzeitig wurde auf deren Grenzen und mögliche Nebenwirkungen hingewiesen. Als interessante Option wurde Finasterid-Spray zur äußerlichen Behandlung bei Männern vorgestellt.
Daneben gewinnen Verfahren an Bedeutung, die auf eine Stimulation des Haarfollikels abzielen. Dazu zählt die Mesotherapie, bei der ausgewählte Wirkstoffe direkt in die Kopfhaut eingebracht werden. Vorgestellt wurde unter anderem das Konzept „MesoHair“, bei dem verschiedene Behandlungsmöglichkeiten miteinander kombiniert werden können. Ein weiteres Verfahren ist PRP (plättchenreiches Plasma). Hierbei wird dem Patienten Blut entnommen und so aufbereitet, dass ein Konzentrat mit körpereigenen Blutplättchen und Wachstumsfaktoren entsteht. Dieses wird anschließend in die Kopfhaut injiziert. PRP kann allein oder beispielsweise in Kombination mit Microneedling, Mesotherapie eingesetzt werden.
Besonders aktuell war das Thema Exosomen. Diese winzigen extrazellulären Vesikel dienen im Körper der Kommunikation zwischen Zellen und transportieren unter anderem Proteine und genetische Informationen. In der Haarmedizin werden Exosomen als potenziell stimulierender Faktor für Haarfollikel diskutiert. Noch handelt es sich jedoch um ein junges Feld. Im Vortrag wurden deshalb neben möglichen Einsatzgebieten auch Fragen zur Datenlage, Lagerung, Applikation und zu den Kosten angesprochen.
Auch über das Microneedling Verfahren wurde berichtet. Dabei werden mit sehr feinen Nadeln kontrollierte Mikroverletzungen der Kopfhaut erzeugt. Die dadurch angestoßenen Regenerationsprozesse sollen das Haarwachstum unterstützen und können zudem die Aufnahme äußerlich aufgetragener Wirkstoffe verbessern. Kombinationen etwa mit PRP oder Exosomen sind möglich.
Nicht jede Therapie passt zu jeder Patientin oder jedem Patienten
Eine wichtige Botschaft des Vortrags war die Individualisierung. Statt möglichst viele Verfahren gleichzeitig einzusetzen, soll für jeden Patienten ein Behandlungsplan aus sinnvoll aufeinander abgestimmten Bausteinen entstehen. Verlaufskontrollen sollen zeigen, ob die Therapie tatsächlich erfolgreich ist und gegebenenfalls angepasst werden muss.
Auch die konsequente Fotodokumentation und das Führen eines Haartagebuches spielen dabei eine wichtige Rolle. Denn Veränderungen der Haardichte entwickeln sich langsam und lassen sich aus der Erinnerung heraus nur schwer zuverlässig beurteilen.
Zur Behandlung von Haarausfall ist eine fachkundige ärztliche Einordnung unerlässlich. Neben gut etablierten Therapien stehen heute eine Reihe neuer und teilweise vielversprechender Verfahren zur Verfügung. Entscheidend bleibt, zunächst die Ursache des Haarausfalls korrekt zu diagnostizieren und anschließend diejenigen Therapiebausteine auszuwählen, deren Nutzen, Risiken und wissenschaftliche Evidenz zu den jeweiligen Patientinnen und Patienten passen.
Quelle: Dauer H.-G., Weidmann M.: „Neue Möglichkeiten der Behandlung von Haarausfall“, derma aktuell 4/2026, S. 36–39; Vortrag im Rahmen der DER? 2026 in Frankenthal.
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