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Bericht vom Symposium Entzündliche Haar- und Kopfhauterkrankungen Teil 2
06. Juni 2022 - Dr. A. Finner, Dr. U. Schwichtenberg

Am Mittwoch den 4. Mai 2022, fand an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie des LMU Klinikums München das Symposium "Entzündliche Haar- und Kopfhauterkrankungen" für medizinische Fachkreise unter der Leitung von Prof. Dr. med. Lars E. French und Prof. Dr. med. Hans Wolff statt. Im Teil 1 unseres Berichtes (LINK) ging es um die Frontal fibrosierende Alopezie (FFA), den Lichen Planopilaris (LPP) und die Fibrosing alopecia in a pattern distribution (FAPD).

Weiter ging es mit dem Vortrag von Frau Prof. Ulrike Blume-Peytavi aus Berlin zum Thema "JAK-Inhibitoren bei Alopecia areata". Die JAK-Inhibitoren sind Substanzen, die Enzyme aus der Gruppe der Januskinasen hemmen. Die Hemmung der Aktivität der Januskinasen wiederum bewirkt eine verminderte Produktion von Botenstoffen wie Interferon-Gamma, die an der Entstehung der Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall, im Weiteren abgekürzt als AA) beteiligt sind.

Frau Prof. Blume-Peytavi berichtete, dass die potientielle Wirksamkeit von JAK-Inhibitoren (JAKi) bei AA zunächst 2014 bei einem Patienten beschrieben wurde, der zwar unter einer ausgeprägten AA litt, das Medikament aber eigentlich für seine Schuppenflechte erhielt. 2015 erfolgte ein weiterer positiver Fallbericht, und in 2016 wurde die erste kleine Pilotstudie mit PatientInnen mit AA durchgeführt. Die derzeit wichtigsten Vertreter der JAKi seien die innerlich verabreichten Substanzen Tofacitinib, Ruxolitinib, Baricitinib, Ritlecitinib und Brepocitinib, so Prof. Blume-Peytavi. Einige der Wirkstoffe sind bereits für die Behandlung von anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis und / oder Neurodermitis zugelassen.

In den USA, fuhr Prof. Blume Peytavi fort, werde bereits an der Anwendung von äusserlich aufzutragenden JAKi geforscht, bisher aber noch ohne aussagekräftige Ergebnisse. Das Problem sei hier, dass der Wirkstoff bis an den tieferen Teil des Haarfollikels gelangen muss, wo die Entzündungszellen sich anlagern. Dies sei nicht ohne weiteres mit einer einfachen Creme zu erreichen.

Prof. Blume Petyavi berichtete weiter, dass die Studien mit dem Wirkstoff Baricitinib am weitesten fortgeschritten seien. Es konnte auch ein Wachtum von Wimpern und Augenbrauen beobachtet werden. Die Behandlung der AA mit JAKi sei wegen der hohen Rückfallrate nach Absetzen des Medikamentes eine Dauertherapie, wie auch bei der Neurodermitis und den rheumatischen Erkrankungen. Da die PatientInnen mit AA oft relaitiv jung seien, müsse hier besonderes Augenmerk auf das Sicherheitsprofil der Therapie gelegt werden. Hier seien weitere Daten zu möglichen Langzeitnebenwirkungen erforderlich, so Prof Blume-Peytavi.

Die Studien hätten auch gezeigt, dass nicht alle PatienInnen auf eine Therapie mit JAKi ansprechen, bzw. in unterschiedlichem Ausmaß von der Therapie profitierten, schloss Prof. Blume Peytavi ihren Vortrag ab. Erstmals stünde mit den JAKi ein zielgerichteter Therapieansatz für die Behandlung der AA zur Verfügung. Es gäbe aber mit Sicherheit noch weitere wichtige "Signalwege" in der Entstehung der Erkrankung. Um eventuell voraussagen zu können, welche Typen der AA (AA universalis, totalis oder kreisrunde / großflächige Herde) am besten auf eine Therapie mit JAKi ansprächen, sei eine genauere Analyse der Studiendaten erforderlich.

Im dritten Teil des Berichtes wird es um Pilzbefall der Kopfhaut bei Kindern sowie pustulöse und abszedierende Kopfhauterkrankungen bei Erwachsenen gehen.

Dr. Andreas Finner (www.trichomed.com), Dr. Uwe Schwichtenberg (www.Derma-Nord.de)

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