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Eine vermehrte Behaarung des Körpers kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern in
unterschiedlicher Ausprägung und in unterschiedlichen Lebensabschnitten auftreten.
Vermehrter Körperbehaarung können eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen zugrunde
liegen. Ob es sich dabei um Ausdruck einer eventuell medikamentös zu behandelnden
Erkrankung oder lediglich um ein kosmetisches "Problem" handelt, muss im Einzelfall
geklärt werden. Man unterscheidet drei Formen der verstärkten Behaarung, denen
jeweils ein eigener Begriff zugeordnet ist:
Als Hypertrichose bezeichnet man eine vermehrte Behaarung an Lokalisationen,
die nicht dem männlichen Behaarungsmuster (siehe unten) entsprechen, wie z. B. an den
Unterarmen und den Unterschenkeln. Hirsutismus nennt man eine dem männlichen Behaarungsmuster entsprechende
Körper- und Sexualbehaarung bei der Frau, also Wachstum von Haaren im Oberlippen- und
Kinnbereich, zwischen den Brüsten und um die Brustwarzen, an den Schultern, an den
Oberschenkelinnenseiten, an der Mittellinie des Bauches und eventuell den
Zehenrücken. Der Begriff Virilisierung kennzeichnet das Vorliegen von Hirsutismus zusammen
mit Veränderungen weiterer Organe wie z. B. Vergrößerung der Brüste, allgemeine
Vergrößerung der Muskeln, Tieferwerden der Stimme, Vergrößerung der Klitoris und
Haarausfall vom männlichen Typ.
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Abbildung 1: Hirsutismus bei jüngerer Frau
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Abbildung 2: Hirsutismus bei älterer Frau
Beide Abbildungen aus "Diagnostik und Therapie von Haarerkrankungen"
mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. H. Wolff, München,
und
Uni-Med Verlag Bremen
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Hypertrichosen können sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten. Sie
können ferner in diffuser (am ganzen Körper) oder in umschriebener Form (nur an einer
bestimmten Stelle des Körpers) vorliegen.
Liegt eine diffuse oder umschriebene Hypertrichose bereits bei Geburt vor oder tritt
sie im frühen Kindesalter auf, so sollte eine ärztliche Vorstellung erfolgen, um zu
klären, ob diese eventuell Bestandteil einer seltenen erblichen Erkrankung ist. Dabei
kommen mehrere sogenannte Syndrome (Zusammentreffen von Erkrankungen mehrerer Organe oder
Organsysteme) in Betracht, so dass im Einzellfall weitere Untersuchungen notwendig
sind.
Im Erwachsenenalter auftretende diffuse Hypertrichosen können Ausdruck einer inneren
Erkrankung sein. So sind in seltenen Fällen Tumoren Ursache eines Auftretens von
Lanugohaaren am gesamten Körper.
Auch bei Störungen in der Produktion von Vorstufen des roten Blutfarbstoffes, sogenannten
Porphyrien, können diffuse oder umschriebene Hypertrichosen vorkommen. Darüber hinaus ist
vermehrte Körperbehaarung als Nebenwirkung bei Einnahme von Medikamenten bekannt, wie zum
Beispiel bei dem bereits als Haarausfall-Therapeutikum eingesetzten
Minoxidil sowie bei
Diazoxid (eingesetzt u.a. als Blutdrucksenker), Ciclosporin (ein Immuntherapeutikum, u.a.
eingesetzt nach Organtransplantation), Phenytoin
(eingesetzt u.a. bei Epilepsie) und vielen mehr. Umschriebene verstärkte Behaarung
entsteht vereinzelt auch bei Reizzuständen der Haut, wie z. B. im Randbereich frischer
Narben, nach oberflächlichen Venenentzündungen, bei chronischer Beinvenenschwäche oder
aufgrund längerer Abdeckung durch Pflaster und Verbände.
Die Unterscheidung zwischen einer noch normalen Körperbehaarung und einer Hypertrichose
kann schwierig sein, da das Behaarungsmuster bei unterschiedlichen Individuen, Familien,
Altersgruppen und Volksgruppen seht unterschiedlich sein kann. Zur Diagnose einer
Hypertrichose und zur Ursachenfindung ist eine ärztliche Vorstellung notwendig.
Während Hypertrichosen bei beiden Geschlechtern auftreten können, betrifft der
Hirsutismus ausschließlich Frauen. Oft findet sich zusätzlich auch vermehrte
Behaarung im Sinne einer Hypertrichose. In den meisten Fällen (ca. 90%) entsteht
Hirsutismus ohne eine erkennbare Ursache. Die beim Hirsutismus vorliegende männliche
Körper- und Sexualbehaarung entsteht durch die Wirkung männlicher Geschlechtshormone,
sogenannter Androgene, die auch bei Frauen in geringeren Konzentrationen vorhanden sind.
Ursachen für eine verstärkte Wirkung von Androgenen und somit für die Entstehung von
Hirsutismus können sein:
- eine verstärkte Bildung von Androgenen in den Nebennieren oder den Eierstöcken, ggf.
durch einen seltenen androgenproduzierenden Tumor
- eine verstärkte Umwandlung von Vorstufen der Androgene in fertige Hormone
- eine geringere Produktion von Transporteiweißen, so dass mehr freie und damit wirksame
Androgene im Blut vorliegen. Dies wird u.a. als Ursache für die Entwicklung eines
Damenbartes im höheren Lebensalter angesehen
- die individuelle, meistens vererbte Empfindlichkeit des
Haarfollikels gegenüber
Androgenen
Behandlung vermehrter Körperbehaarung
Bei allen oben genannten Formen der verstärkten Behaarung ist zunächst die Erkennung
einer eventuell zugrundeliegenden inneren Erkrankung und deren Behandlung vorrangig.
Falls z. B. im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung eine hormonelle Ursache des
Hirsutismus nachgewiesen werden kann, kommt gegebenenfalls eine medikamentöse Behandlung
mit Präparaten in Frage, welche
eine geringe antiandrogene Wirkung aufweisen und z. T. auch beim anlagebedingten
Haarausfall der Frau eingesetzt werden.
Wenn therapiebedürftige Erkrankungen als Ursache des vermehrten Haarwuchses
ausgeschlossen sind, die Behaarung jedoch als starke persönliche Beeinträchtigung
empfunden wird, kommt die Anwendung kosmetischer Maßnahmen in Betracht. Neben dem Rasieren
oder Bleichen der Haare oder der Anwendung von Enthaarungscremes gibt es zahlreiche
Methoden zur Epilation (Haarentfernung): Durch Auszupfen mit käuflichen Epilatoren oder
Wachspräparaten wird zwar kurzfristig ein Ergebnis erzielt. Die
Haarwurzel wird jedoch zum
beschleunigten Wiedereintritt in die
Anagenphase und somit zu
vermehrtem Wachstum stimuliert.
Ein langfristiger Erfolg kann mit einer Laserbehandlung erreicht werden, insofern es
sich um dunkle und dicke Haare handelt, wie z. B. in den Achselhöhlen und der Bikinizone.
Als weitere Alternative kommt die Elektroepilation in Betracht, mit der auch helle Haare
entfernt werden können. Mit einem kleinen Stromstoss wird dabei die Haarwurzel eines jeden
einzelnen Haares zerstört. Allerdings ist dies zeitaufwendiger als die Laserbehandlung und
für größere Flächen ungeeignet.
Lesen Sie zum Thema Lasertherapie bei unerwünschter Körperbehaarung auch unseren
Bericht vom Symposium
"Neues zur Therapie von Alopezien und Hypertrichosen" am 25.04.2001 an der Klinik für
Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilian-Universität in München.
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