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Haartransplantation

Dr. med. Frank G. Neidel
Dr. med. Karin Leonhard

Eine mögliche Therapie bei bestimmten Formen von Haarausfall ist die Haartransplantation. Dieses Verfahren wird hauptsächlich eingesetzt beim anlagebedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) und bei Haarausfall durch Narbenbildung. Bei einer Haartransplantation werden die eigenen Kopfhaare umverteilt. Haare aus dem Hinterkopfbereich werden mikrochirurgisch in die kahlen Flächen transplantiert, z. B. in die Geheimratsecken. Es werden also keine neuen Haare erzeugt, sondern es werden lediglich die vorhandenen Haare der Hinterkopfregion zur Auffüllung des Haarbestandes in den gelichteten Bereichen genutzt.

Die besten Voraussetzungen für ein Gelingen der Haartransplantation sind dann gegeben, wenn das so genannte "Spenderhaar" am Hinterkopf sehr kräftig und dick ist und nur auf einer relativ kleinen Fläche der Haarausfall vorherrscht. Somit kann man kräftige, gesunde Haarwurzeln in ein dünn behaartes Gebiet verpflanzen und erhält immer ein zufrieden stellendes Resultat. Schwieriger wird es, wenn die Spenderhaarqualität nicht so gut ist, also dünnes und flaumiges Haar am Hinterkopf wächst. Man wird dann versuchen, möglichst nackenwärts gesunde und kräftige Haarwurzeln zu finden, welche man isolieren und umverteilen kann.

Der symptomatische diffuse Haarausfall als Ausdruck einer gesundheitlichen Störung, z.B. nach einer fieberhaften Infektionskrankheit, nach inneren Erkrankungen oder als Arzneimittelnebenwirkung stellt keine Indikation für eine Haartransplantation dar. Auch bei "kreisrundem Haarausfall" (Alopecia areata) ist wegen des wechselhaften, zu Spontanheilungen neigenden Verlaufes eine Haarverpflanzung nur in seltenen Fällen angebracht.

Die Transplantation der Haare eines anderen Menschen ist nicht möglich, da diese vom Immunsystem sofort als fremd erkannt und abgestoßen würden. Körpereigene Haarwurzeln werden jedoch nicht abgestoßen und wachsen nach einer Transplantation in der Regel dauerhaft an. Da die Zahl der eigenen Kopfhaare limitiert ist, kann verständlicherweise auch nur eine begrenzte Anzahl von Haaren verpflanzt werden. Andere Körperhaare, wie z.B. Bart- oder Achselhaare, kommen wegen ungeeigneter Haarbeschaffenheit für eine Transplantation nicht in Betracht.

In der plastischen Chirurgie sind zahlreiche Methoden der Haarverpflanzung erprobt und in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben worden. Bei der Hautinsel-Verpflanzung werden in mehreren Behandlungsschritten im Hinterkopfbereich in örtlicher Betäubung haartragende Hautinseln ausgestanzt und in entsprechend vorbereitete Empfängerareale im Bereich der haarlosen Kopfhaut wieder eingepflanzt. Ein wesentlicher Nachteil dieser Methode besteht jedoch darin, dass die transplantierten Haarinseln ein "büschelförmiges" Haarwachstum zeigen, mit dem ein normaler Stirnhaaransatz nur schwierig dargestellt werden kann. Eine wesentliche Fortentwicklung dieser Methode war die Einführung von sogenannten "Minigrafts" bzw. "Micrografts". Hierbei wurden die Hautinseln aus dem Hinterkopfbereich zunächst in drei kleinere Einheiten zerteilt, bevor sie in die mit einem feinen Hohlbohrer erzeugten Empfängerlöcher in den haarlosen Arealen eingesetzt wurden.

Heute werden keine Inseln mehr herausgestanzt, sondern in mikrochirurgischer Technik wird ein Hautstreifen in örtlicher Betäubung aus dem Haarkranz entnommen. Aus diesem Hautstreifen werden dann die Mini- und Micrografts und dank neuer Präparationstechniken die follicular units (kleinste Einheiten der Haarwurzeln) präpariert. Transplantate werden als Minigrafts bezeichnet, wenn sie 3-5 Haare, und als Micrografts, wenn sie 1-2 Haare enthalten. Mit diesen sehr kleinen Hautinseln ist es möglich geworden, einen natürlichen Haaransatz im Stirnbereich zu erzeugen, bei dem ein allmählicher, unauffälliger Übergang von haarloser zu behaarter Haut gewährleistet ist. Die Methode wird in örtlicher Betäubung durchgeführt und erlaubt das Einsetzen einer großen Anzahl von Transplantaten (Grafts, follicular units) in einer Sitzung. Mehrere Behandlungsschritte können zur Auffüllung größerer gelichteter Areale in zeitlichem Abstand hintereinander durchgeführt werden. Mit diesem Vorgehen lassen sich nach heutigem Stand der operativen Technik die kosmetisch günstigsten Resultate erzielen.

Bevor eine Haartransplantation durchgeführt wird, sollte der Patient ausführlich durch den Operateur beraten werden. Hierbei müssen die erreichbaren Möglichkeiten der Methodik, ihre Grenzen und Risiken sowie auch die Kosten der Operation offen dargelegt werden. Handelt es sich um eine Haarverpflanzung bei androgenetischer Alopezie des Mannes, so hat der Patient die Kosten zumeist selbst zu tragen. Die Kosten für eine Haarverpflanzung bei Krankheits- oder Unfallfolgen (z.B. Verbrennungsnarben der Kopfhaut) werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. In jedem Falle empfiehlt sich vor der geplanten Operation ein Gespräch mit der Krankenkasse.

Neben der Verpflanzung eigener Haare gibt es die Möglichkeit der Kunsthaarimplantation, wobei unterschiedlich gefärbte Kunsthaare aus synthetischen Fasern mittels einer speziellen Nadel in die Kopfhaut eingestochen werden. Die Nachteile dieser Methode bestehen darin, dass innerhalb eines Jahres mit einem Abbrechen von ca. 10 % und mehr der Kunsthaare zu rechnen ist. Da die Kunsthaare die normale Schutzbarriere der Haut durchbrechen, besteht stets zudem das Risiko einer bakteriellen Infektion. Weiterhin kann es auch zu einer Fremdkörperabstoßungsreaktion mit entzündlicher Verhärtung der Kopfhaut kommen, so dass die Entfernung der Kunsthaare erforderlich wird. Aufgrund dieser Nachteile raten wir aus ärztlicher Sicht dringend von einer Kunsthaarimplantation ab.

Dr. med. Frank G. Neidel
Spezialpraxis Haartransplantation
Schadowstr. 44
40212 Düsseldorf
Infotelefon: 0800 42 47 000
www.hairdoc.de

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