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Aktuelles

Bericht von der 17. EADV Tagung in Paris
24. November 2008 - Dr. Daniela Kunte

Diffuser Haarausfall bei Frauen

Auf dem 17. EADV Kongress in Paris im September 2008 wurde im Rahmen eines Satelliten-Symposiums auch das Thema Haarausfall näher beleuchtet. Zunächst berichtete Prof. Dr. R.M. Trüeb aus Zürich vor den Hautärztinnen und Hautärzten über einen systematischen Ansatz zum diffusen Haarausfall bei Frauen.

Nur wenige hautärztliche Probleme seien derart stark emotional gefärbt, wie der Haarverlust bei Frauen, so Prof. Trüeb. Abgesehen vom psychologischen Aspekt, könne Haarverlust die Manifestation eines allgemeinen medizinischen Problems sein. Zusätzlich zu den Sorgen der Patientinnen können schlechte Erfahrungen mit Ärzten, die dazu tendieren, die Beschwerden mit Haarverlust zu trivialisieren, vorangegangen sein. Die Haltung dieser Ärzte könne an fehlendem Wissen um Haarerkrankungen liegen und so den falschen Patientenumgang begründen. Die Kenntnis der häufigsten Formen des Haarverlustes sei somit essentiell für eine gute Patientenversorgung.

In der Vielzahl der Fälle liege diffuser Haarverlust an einer Veränderung im Haarzyklus, fuhr Prof. Trüeb fort. Unabhängig von dessen Ursache reagiere der Haarfollikel immer auf ähnliche Weise auf innere oder äußere Einflüsse. Obwohl jeder Haarfollikel seinen eigenen individuellen Kontrollmechanismus besitzt, hätten sowohl innere Faktoren wie Hormone, zelluläre Botenstoffe und Wachstumsfaktoren als auch äußere Faktoren wie Klima, Nährstoffmangel und Vitamine einen Einfluss auf das Haarwachstum. Ein periodisches Ausfallen der Haare könne z.B. häufig am Ende des Sommers und zum Herbstbeginn beobachtet werden (saisonaler Haarausfall).

Eine spezifische Diagnose könne in vielen Fällen durch eine sorgsame Befragung der Patientinnen mit Hauptaugenmerk auf die zeitliche Abfolge von Ereignissen, eine Untersuchung der Kopfhaut, eine Untersuchung des Musters des Haarverlustes, einen Haarzugtest und durch ausgewählte Screening-Bluttests gestellt werden. Anschließend könne durch entsprechende Therapien der Haarverlust behandelt werden.

Bedeutung von Vitaminen und Aminosäurenergänzungen

In den letzten Jahren bestand laut Prof. Trüeb ein hohes kommerzielles Interesse an Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitaminen und Aminosäurenergänzungen. Hier tauche auch oft die Frage auf, ob ein gesteigerter Nahrungsgehalt an spezifischen Aminosäuren, Vitaminen oder Spurenelementen das Haarwachstum noch weiter fördern könne. Im Hinblick auf die Haare sei vor allem die Aminosäure L-Zystin interessant. Der Grund für dessen Anwendung basiere auf der Biochemie des Zystin-Metabolismus, seiner Beziehung zum Haarfollikel, klinischen Beobachtungen von Haaren mit Veränderungen des Zystin-Metabolismus sowie den Resultaten aus Tierversuchen und Studien.

In diesem Zusammenhang berichtete Fr. Dr. T. V. Tsimbalenko von einer klinischen Studie zur Wirksamkeit von L-Cystin, Hefe, Pantothensäure und Vitamin-B (Handelspräparat Pantovigar) bei ansonsten gesunden Frauen mit diffusem Haarausfall. Die Einschlusskriterien der Studie waren diffuser Haarausfall über mehr als 6 Monate, in Verbindung mit einer Telogenrate (Haare in der Ausfalls- bzw. Ruhephase) von über >15 Prozent. Insgesamt nahmen 38 Frauen an der Studie teil, darunter 18 in der Wirkstoff-Gruppe (3mal täglich eine Kapsel der Wirksubstanzen zu den Mahlzeiten) und 20 in der Kontrollgruppe (Keine Behandlung). Die Frauen wurden per Zufallseinteilung einer der beiden Gruppen zugeordnet.

Der therapeutische Effekt in der Wirkstoff-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe wurde mittels Epilumineszenzmikroskopie mit automatischer digitaler Bildanalyse bestimmt. Gemessen wurden die Telogenrate, die Haardichte, der Haarschaftdurchmesser und der prozentuale Anteil von dysplastischen Anagenhaaren (krankhaft veränderte Haare in der Wachstumsphase).

Nach vier Monaten Therapie zeigte sich in der Wirkstoff-Gruppe eine statistisch aussagekräftige Abnahme der Telogenhaarrate, ein Rückgang des prozentualen Anteils der dysplastischen Anagenhaare und eine Zunahme der durchschnittlichen Haarschaftdurchmesser in der Scheitelregion. In der Kontrollgruppe wurden derartige Veränderungen nicht festgestellt. Die Verbesserung in den Haarwachstumsparametern zeigte sich auch auf Übersichtsfotografien in der Wirkstoff-Gruppe, während derartige Veränderungen in der Kontrollgruppe nicht beobachtet wurden. In beiden Gruppen zeigte sich kein Einfluss auf die Haardichte. Die Resultate der Studie zeigten, so Fr. Dr. Tsimbalenko, dass der untersuchte Wirkstoffkomplex in der Behandlung von diffusem Haarausfall als Ergänzung zu eventuellen ursächlichen Therapien sinnvoll sein kann. Insbesondere auch in den Fällen, in denen keine Ursache für den diffusen Haarwechsel gefunden werden könne, sei eine Einnahme sinnvoll.

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