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WESSELING/BONN (abd) - Geheimratsecken und Tonsur: was als „Männerdomäne" gilt, kann ebenso Frauen treffen. „Typisch weiblich" lichtet sich dagegen das Deckhaar gleichmäßig im mittleren oder gesamten Kopfbereich. Etwa jede dritte Frau leidet unter Haarverlust - das ist mehr als eine kosmetische Bagatelle, betont der Hautarzt und Haarexperte Priv.-Doz. Dr. Gerhard Lutz aus Wesseling/Bonn.
„Wenn die Haarpracht immer spärlicher erscheint oder gar büschelweise ausfällt, können dies Indizien für ernstzunehmende Störungen sein", warnt Priv.-Doz. Dr. Gerhard Lutz. „Die zugrunde liegenden Ursachen des Haarverlusts bei Frauen gilt es mit kriminalistischem Spürsinn, herauszufinden." Der Experte für Haut und Haar rät daher, frühzeitig bei einem Dermatologen eine verlässliche Diagnose einzuholen.
„Wie bei einer Rasterfahndung" verfolgt der Hautarzt bei diffusem Haarausfall unterschiedliche Spuren: Im Trichogramm, einer mikroskopischen Begutachtung der Haarwurzeln, lässt sich erkennen, ob und wie stark das Haarwachstum gestört ist. In weitergehenden Untersuchungen wird kontrolliert, ob ein Eisen- oder Zinkmangel, vielleicht auch eine Schilddrüsenerkrankung oder Entzündungen der Grund sind, dass frau Haare lässt. Nicht selten sind Medikamente - insbesondere Blutdruck- oder Blutfett-senkende Mittel - die „Täter", die für den Haarausfall verantwortlich sind. Wird die Ursache behoben, sprießen oft auch die Haare wieder, berichtet der engagierte Dermatologe.
Eine individuelle Veranlagung kann ebenfalls die Ursache des Haarausfalls sein und zur androgenetischen Alopezie (anlagebedingter Haarausfall) führen. Bei Männern typisch sind vor allem Geheimratsecken und eine Glatzenbildung im Tonsurbereich. Dieses männliche Haarausfallsmuster kommt gelegentlich auch bei Frauen vor; meist bleibt jedoch die Stirnhaargrenze erhalten und das Haupthaar dünnt sich in der Mitte des Kopfes aus. Die androgenetische Alopezie kann durch einen Überschuss oder durch eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen) verursacht werden, erklärt Lutz. Betroffene Patientinnen leiden manchmal zusätzlich unter Zyklusstörungen, einem Oberlippenbärtchen und anderen Androgenisierungserscheinungen. „Bei den meisten Patientinnen ist die androgenetische Alopezie anlagebedingt und trat schon bei der Mutter, einer Großmutter oder Tante auf", berichtet Lutz. Die Androgenspiegel im Körper können dann durchaus normal sein. Die Forschung geht davon aus, dass bei betroffenen Männern aufgrund ei ner genetischen Veranlagung die Androgenrezeptorendichte der Haarfollikel höher ist. Das heißt, die Haarwurzeln reagieren empfindlicher auf das Hormon Dihydrotestosteron, verkümmern und können kein neues Haar mehr produzieren. Für Frauen konnte dieser Zusammenhang bisher jedoch nicht bestätigt werden. Lutz warnt vor zweifelhaften Selbstbehandlungen aus dem Supermarkt oder gar dem Internet und empfiehlt therapeutische Optionen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist. Bei der androgenetischen Alopezie macht der Dermatologe gute Erfahrungen mit dem Wirkstoff Minoxidil. Das Präparat wird zweimal täglich äußerlich aufgetragen. Es stimuliert die Haarwurzeln, fördert die Haarproduktion und regt so das Haar wachstum an.
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