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Finasterid und Doping
24. November 2005 - Dr. Jens Meyer

1 mg Finasterid (Handelspräparat Propecia) wird seit vielen Jahren erfolgreich in der Behandlung des anlagebedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie) des Mannes eingesetzt. Das primäre Ziel der Behandlung ist das Stoppen des fortschreitenden Haarverlustes und der Ausbreitung der Haarlichtung. Bei einer einjährigen Therapie mit Propecia war im Rahmen großer internationaler Studien festgestellt worden, dass der Haarausfall bei etwa 85 % der Männer gestoppt werden konnte, bei 66 % der Männer kam es zu einer Verdichtung der Haare. Im Rahmen internationaler Multicenterstudien über fünf Jahre konnte gezeigt werden, dass der Haarausfall über diesen Zeitraum bei 9 von 10 Männern gestoppt werden konnte. Bei mehr als 6 von 10 Männern wurde eine Zunahme der Haardichte gemessen.

Finasterid hemmt als 5-alpha-Reduktaseinhibitor die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT). Overstreet (1999) hat in einer doppelblinden, Plazebo-kontrollierten Studie mit 181 Patienten nachgewiesen, dass unter der Therapie mit täglich 1 mg Finasterid der Testosteronspiegel um 15,6 % (Mittelwert) steigt. Er bleibt aber innerhalb des physiologischen Bereichs (Normbereich).

Seit der 2004 erfolgten Neugestaltung des Dopingkontrollsystems der Swiss Olympic Association und des Deutschen Sportbundes (DSB) gehören auch Substanzen, die - wie Finasterid - keine leistungssteigernden Eigenschaften besitzen, aber in den hormonellen Regelkreis des Körpers eingreifen, zu den verbotenen Substanzen. Finasterid wird auf der Dopingliste des DFB als «maskierende Substanz» geführt und kann eine mögliche Einnahme von anabolen Substanzen verschleiern.

Finasterid darf daher von Leistungssportlern nicht vor bzw. während eines Wettkampfes eingenommen werden. Verbindliche Aussagen, wie lange vor einem Wettkampf Finasterid abgesetzt werden muss, liegen nicht vor. Nach den Ergebnissen einer Untersuchung von Marks, Roehrborn und Rittmaster, die auf der Jahrestagung der American Urologic Association (AUA) 2004 präsentiert worden sind, waren die Serum-DHT-Werte zwei Monate nach Absetzen von Finasterid bei den Studienpatienten wieder auf den Ausgangswert wie vor Einnahme von Finasterid zurückgekehrt. Nach diesen Ergebnissen ist der hormonelle Regelkreis von Testosteron und DHT innerhalb von zwei Monaten nach Absetzen von Finasterid wieder hergestellt. Die Entscheidung, wie lange vor einem Wettkampf (Fußballspiel etc.) Finasterid abzusetzen ist, liegt in der Entscheidung des Sportlers und des verantwortlichen Sportarztes.

Für den „normalen Anwender“ von Finasterid, der nicht im Leistungssport tätig ist, ergeben sich aus der aktuellen Diskussion hingegen keine Konsequenzen. Prof. Hans Wolff von der Ludwig-Maximilians-Universität München schrieb im Expertenrat von Haarerkrankungen.de zusammenfassend zu Finasterid:

Propecia hemmt selektiv das Enzym 5a-Reduktase Typ II und somit die Umwandlung von Testosteron (Männliches Geschlechtshormon) zu DHT (Dihydrotestosteron). DHT ist neben der erblichen Veranlagung hauptverantwortlich für den androgenetischen Haarausfall. Durch die Hemmung des Enzyms wird der Spiegel von DHT im Serum (Blut) um etwa 70 % gesenkt. In zahlreichen Studien konnte auch ein minimaler Anstieg von Testosteron gemessen werden, die Werte blieben jedoch alle im Normbereich. Ebenso wurde in mehreren Studien an Propecia-nehmenden Männern Untersuchungen des Spermas vorgenommen. Die Zahl der Spermien, deren Beweglichkeit und Form hat sich unter Propecia-Einnahme nicht verändert.

Im Rahmen der Studien an über 1500 Männern (die eine Hälfte bekam Propecia, die andere Hälfte bekam Plazebo - eine unwirksame Substanz) wurde nach Beeinflussung der Libido (Verlangen nach Sexualität), nach Veränderung des Samenvolumens und nach Potenzproblemen gefragt. Unter 2 % aller Männer (also auch der Plazebo-Probanden) gaben eine Abnahme der Libido, des Samenvolumens (sas Samenvolumen hat hier nichts mit der Qualität der Spermien zu tun) und Potenzprobleme an. Der Unterschied zwischen den Männern die Plazebo und Propecia eingenommen haben, war statistisch nicht signifikant, also unbedeutend. Etwa 98% unserer Propecia-Patienten vertragen das Mittel hervorragend - ohne jede Nebenwirkung.

Quellen: DPA Basisdienst, MSD Medical Services, Expertenrat Haarerkrankungen.de

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