Aktuelles
Haarausfall, vor allem wenn er vorzeitig eintritt, kann psychosoziale Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität der Betroffenen haben. Stress wird in diesem Zusammenhang immer wieder als negativer Einfluss diskutiert. Dennoch fehlten bislang handfeste wissenschaftliche Beweise für einen haarwuchshemmenden Effekt von Stress und es stellt sich die Frage, wie erhöhte Stresswahrnehmung überhaupt die Haut und den Haarfollikel erreichen kann. Vor diesem Hintergrund berichtete Prof. Dr. Eva Peters von der Abteilung für Psychoneuroimmunologie der Universitätsklinik Charité in Berlin auf der 11. Jahrestagung der Europäischen Haarforschergesellschaft (EHRS) in Zürich über die biologischen Zusammenhänge von Haarausfall und Stress:
"Vor dem Hintergrund der modernen Stress-Neuroimmunologie müssen Stresseffekte am Haarfollikel über definierte neurobiologische und/oder neuroimmunologische Signalbahnen vermittelt werden. Neue Ergebnisse aus dem Mäusemodell bringen jetzt etwas Licht in diese Zusammenhänge. Jeder Haarfollikel wird von einem dichten Nervenfasernetzwerk umgeben. Dieses Nervenfasernetzwerk enthält neuronale Botenstoffe, wie zum Beispiel das Neuropeptid Substanz P (SP) oder den Neurotransmitter Noradrenalin (Na). Während der lebenslang wiederkehrenden Umbauprozesse am Haarfollikel, dem Haarzyklus, schwankt die Zahl dieser Nervenfasern ebenso wie die Häufigkeit von Kontakten zu ortständigen Immunzellen, den Mastzellen. Diese Schwankungen haben einen Einfluss auf das Haarwachstum.
Das Neurotrophin Nerve Growth Factor (NGF) reguliert die Versorgung der Haut mit Nervenfasern und ist ebenfalls ein starker Haarwuchsmodulator. Wir konnten darstellen, dass wahrgenommener Stress die Zahl von SP-Nervenfasern und die NGF-Menge in der Maushaut erhöht. Eine Reaktion, die mit dem Auswachsen neuer Nervenendigungen einhergeht. Tritt diese Steigerung der Versorgung der Haut mit Nervenfasern während des Übergangs von Haarfollikeln aus der Wachstumsphase (Anagen) in die Übergangssphase (Katagen) auf, so kommt es zu einer Aktivierung der Mastzellen, neurogener Entzündung in der Umgebung des Haarfollikels, programmiertem Zelltod im Haarfollikelepithel (Apoptose) und schliesslich zum vorzeitigen Stopp des Haarwachstums. Überraschenderweise können diese Effekte im Mausmodell durch die Gabe von Minoxidil unterdrückt werden. Zusammengefasst kann Stress also eine Kaskade von molekularen Ereignissen auslösen, die zu Entzündungen am Haarfollikel führen und so zum Haarausfall beitragen. Den Mediatoren NGF und SP kommt hierbei eine Schlüsselfunktion zu, die in Zukunft vielleicht therapeutisch genutzt werden kann."
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